Eröffnung des japanischen Teehauses in Graz

Der Treffpunkt Philosophie - Neue Akropolis Graz lud im Rahmen der österreichweiten Feierlichkeiten zu „150 Jahre Freundschaft Japan – Österreich“ zu einem Kulturevent der besonderen Art ein. Am 8. September wurde im Garten des Zentrum Phönix das erste öffentlich zugängliche japanisches Teehaus in Graz eröffnet!

Es ist umgeben von einem meditativen Zen-Gärtchen und steht der Öffentlichkeit im Rahmen der Öffnungszeiten des Café Phönix zur Besichtigung zur Verfügung. Ein Ort der Ruhe und Besinnung wurde somit mitten in der Stadt geschaffen.



Zur Eröffnung begrüßte der Leiter des Treffpunkt Philosophie Österreich, Dr. Hannes Weinelt, über 230 Besucher. Im Festvortrag von Frau Suzuko Hirschmann, der Obfrau für die „Frauenföderation für Weltfrieden“ in der Steiermark, thematisierte sie den Kulturaustausch zwischen Japan und Österreich. Die feierliche Eröffnung wurde von Gemeinderat Markus Schimautz vorgenommen, der die Glückwünsche der Stadt überbrachte und sich für den jahrzehntelangen Einsatz des Treffpunkt Philosophie für das Kulturleben in Graz und im Bezirk Jakomini bedankte.


Ehrengäste der Eröffnung v.l.n.r.: Hannes Weinelt, Harald Deutschl, Markus Schimautz, Michael Kratzer, Suzuka Hirschmann

Am Nachmittag konnte man in sechs Workshops in die japanische Kultur eintauchen:

•    Haiku – traditionelle Gedichte: Der japanische Haiku gilt als die kürzeste Gedichtform der Welt. Sein Inhalt beschreibt ein Ereignis oder eine Situation in der Natur als symbolisches Abbild von Gefühlen oder Ideen. Walter Gutdeutsch bot den Teilnehmern die Möglichkeit, sich im Haiku-Schreiben zu üben und sich der Philosophie dahinter anzunähern.

•    Ikebana-Meditation mit Pflanzen: Patricia Winkler-Payer brachte den Teilnehmern den Blumenweg näher. Dieser öffnet einen achtsamen Zugang zur Pflanzenwelt und sensibilisiert für die Ästhetik des Einfachen.

•    Kalligrafie – Der Weg des Schreibens: Shoka Sakuragi, die Leiterin des Zentrums für Kalligrafie und Japanisch in Wien, bot die Möglichkeit, die Grundlagen dieser Kulturtechnik kennenzulernen. Jeder Teilnehmer konnte seine Werke geschrieben auf japanischem Papier mitnehmen.

•    Bonsai- große Ideen in kleinen Töpfen: Ralph Zettl bot Zugang zu dieser traditionellen Technik. Der Bonsai ist ein Miniaturbild eines großen Baumes, und wird vom Menschen nach den Gesetzen und Archetypen der Natur geformt.

•    Origami- Kunstwerke aus Papier: Sakie Harada übte mit den Teilnehmern die Kunst des Papierfaltens, die eine Verbindung von Mathematik und Technik darstellt. Es entstanden beeindruckende Tiere, Schachteln und Blumen.

•    Teezeremonie: Harald Hengl demonstrierte im Teehaus mit einer traditionellen Teezeremonie, den „Weg des Tees“, den Cha-do. Harmonie, Reinheit, Respekt und ruhen spielen dabei eine große Rolle.


Zeremonienmeister Harald Hengl (1.v.l.) mit TeilnehmerInnen der Teezeremonie

Wie jedes japanische Teehaus wird auch dieses in der Münzgrabenstraße über die Hinterseite betreten. Die Schuhe werden vor der Eingangstüre ausgezogen. Der Besucher geht in den mit Tatami (Reisstroh) Matten ausgelegten Raum. In einer Nische, „Mizuya“ genannt, befinden sich die Utensilien für eine Teezeremonie. Das Herzstück jedoch ist die Wandnische „Tokonoma“ mit einem Rollbild und Blumen. Seitlich befindet sich ein rundes Fenster, mit Papier ausgekleidet. Werden die Schiebetüren geöffnet, sieht man in den Zen-Garten mit kleinem Wasserbecken. Jedes Element hat eine Bedeutung, alles ist Symbol.



Japan und seine Philosophie stehen für die Verfeinerung der Sinne, die Vollendung der Formen und die Reduzierung auf das Wesentliche. Diese Kraft der Vereinfachung wird mit diesem Teehaus erlebbar gemacht. Es ist aber auch als Ort der Begegnung zweier Kulturen gedacht und bildet somit eine Brücke zwischen östlich und westlichem Denken. Möge dieses Teehaus vielen Menschen als Inspiration dienen und als Zugang zum eigenen Inneren!

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